Review: Wayward (Image Comics) – Reupload

Wenn man Autor Jim Zub fragt wie er selbst seinen Comic Wayward beschreiben würde, dann beschreibt er ihn selbst als „Buffy in Japan!“ und das bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Als jemand, der sich schon immer für Teenager-Drama und einen Touch von Fantasy begeistern konnte, lag der Kauf da natürlich auf der Hand. Mittlerweile sind vier Paperbacks erschienen und die Geschichte von Jim Zub ist eine regelrechte Berg- und Talfahrt, die im großen und ganzen aber mit viel frischen Ideen und östlichen Einflüssen glänzt.

„128 million people… plus me.“ – Rori Lane

Rori Lane ist bereit einen neuen Abschnitt ihres Lebens zu beginnen. Dafür begibt sich die Jugendliche nach Japan, um dort bei ihrer Mutter zu wohnen. Zuvor lebte sie bei ihrem irischen Vater, doch jetzt ist Rori auf der Suche nach ihren Wurzeln in dem traditionsreichen Land in Asien.
Nach ihrer Ankunft dauert es nicht lange, bis  das Mädchen in eine Welt aus Magie, Tradition und Folklore gezogen wird. Dabei trifft sie viele neue Freunde, mit welchen sie sich gegen allerlei Yokai (Japanische Monster, wie Kappas oder Tengu) behaupten muss. Bereits an ihrem ersten Abend in Japan lernt sie das Katzenmädchen Ayame kennen, welche sie vor einer Gruppe Monstern rettet. Es ist dieser Kampf, in dem Rori erkennt, dass auch sie mit Kräften ausgestattet ist, um sich gegen die Dämonen zu behaupten. Doch wer verbirgt sich hinter den Angriffen? Warum wollen sie die Kinder am liebsten Tod sehen und woher kommen die Kräfte überhaupt?

(c) Steven Cummings / Tamra Bonvillain / Image Comics

Die Geschichte von Wayward braucht am Anfang etwas Zeit, um wirklich in Fahrt zu kommen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Zub sich vollkommen auf die Einführung der Figuren konzentriert. Es gibt zwar schon einiges an Action und man kann einen Blick auf die Gefahren erhaschen, die in der Zukunft lauern, aber im Fokus stehen die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere und besonders Rori. Durch diese Erzählweise gelingt es den Lesern sehr schnell einen Bezug zu den Charakteren aufzubauen. Da der Comic einen relativ großen Kreis an Protagonisten hat, die sich zu einer Gruppe zusammen finden, ist dieser Aspekt gerade positiv heraus zu stellen. Die Figuren sind alle sehr gut gelungen und haben ihre Eigenarten, die sie einem direkt sympathisch machen. Ich persönlich habe direkt das quirlige Katzenmädchen Ayane habe ich direkt in mein Herz geschlossen.
Generell zeichnen sich die Figuren aber nicht nur durch ihre individuellen Persönlichkeiten aus, sondern auch durch ihre Fähigkeiten. Während Rori das gewebte Netz des Schicksals sehen und beeinflussen kann, bekommen andere übermenschliche Kraft, wenn sie Seelen von Verstorbenen essen oder können sich selbst die Beschaffenheit von Elementen wie Metall geben, wenn sie es berühren. Auch beeinflusst durch die Kämpfe und das Setting erinnert dabei alles stark an einen Shonen-Manga und das sicherlich auch nicht ganz unabsichtlich. Wer also ein Verbindungsglied zwischen westlichen und östlichen Comics sucht, um mal über den Tellerrand zu sehen, ist gerade mit dieser Geschichte vielleicht genau richtig bedient.

(c) Steven Cummings / Tamra Bonvillain / Image Comics

Im Vorwort des ersten Paperbacks kritisiert Zack Davisson die Darstellung von Japan in westlichen Publikationen als „fictitious famtasyland, with all the reality of one of the kingdoms of Westeros“  und lobt zeitgleich die bodenständige und realistische Herangehensweise in Wayward. Soweit man in einer Fantasy-Geschichte mit Dämonen und übernatürlichen Kräften von realistisch sprechen kann. Generell stimmt es aber, dass die Figuren wesentlich glaubwürdiger wirken als man es aus westlicher Literatur gewohnt ist. Es ist eine kulturell wesentlich realistischere Herangehensweise an Japan und das Land wird nicht zu sehr glorifiziert. Für jemanden, der sich schon mal ein wenig mit der Kultur oder auch nur mit östlichen Comics beschäftigt hat, ist das auf jeden Fall erstmal erfrischend.
Doch nicht nur die Figuren und das Land wirken sehr glaubhaft. Man stellt auch sehr schnell fest wie viele Details und gut recherchierte Fakten im Bezug auf die Volksmärchen und japanische Tradition in diesem Werk stecken. Zusätzlich zu dem Comic bekommt man in dem Paperback auch noch einiges an Informationen zu den verschiedenen Yokai und der mystischen Geschichte des Landes, welche von Zack Davisson zusammen getragen wurden.

Generell ist es zu empfehlen dem Comic eine Chance zu geben, wenn man sich für die fernöstliche Kultur interessiert oder auch einfach nur für die westliche Herangehensweise. Als Bindeglied zwischen Manga und Comic stellt Wayward da die perfekte Chance dar. Zum einen ist der Comic optisch sehr westlich. Die Figuren wirken realistisch und selbst die Actionszenen sind sehr behäbiger und ruhiger als es in einem Manga der Fall ist. Nicht zuletzt durch den sehr moderaten Einsatz von Speedlines. Auf der anderen Seite wirkt die Geschichte stärker wie die aus einem Manga. Es lassen sich viele Bezüge zum Shonen-Genre mit übernatürlichen Kräften ziehen. Besonders die Persönlichkeiten der Charaktere funktionieren nach einem aus Manga gewohnten Schema.  Dazu noch die japanische Mythologie und eine Welt voll Geister und Dämonen und auf einmal wirkt alles für den Manga-Leser irgendwie vertraut. Durch den geänderten Blickwinkel und die damit neue Herangehensweise wirkt es trotzdem irgendwie ungewohnt und anders. Genau das macht es so spannend.

(c) Steven Cummings / Tamra Bonvillain / Image Comics
Abschließend kann ich nur noch sagen, dass ich bisher sehr viel Spaß mit dem Comic hatte und jedem ans Herz legen würde einmal einen Blick zu riskieren. Da es sich um einen bei Image erschienenen Sammelband handelt, kann man mit dem ersten Trade ja auch gar nicht eso viel falsch machen. Immerhin bekommt man da den Band schon für 9,99 Dollar und der fasst schon die ersten 5 Hefte zusammen. Das ist ein durchaus guter Preis für eine phantasievolle Geschichte mit abwechslungsreichen Charakteren, sehr guten Zeichnungen und einer farbenfrohen Kolorierung.

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Verlag:                                   Image Comics
Autor/in:                                Jim Zub
Zeichner/in:                          Steven Cummings
Kolorist/in:                            Tamra Bonvillain
Lettering:                              Marshall Dillon
Seiten:                                   144 Seiten
Preis:                                      9,99 Dollar

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Veröffentlicht von

El Nerderino

Der Comic-Stapel ist zu groß, die Lego-Kisten laufen über und bei den vielen Serien hat Netflix auch nichts mehr mit chill zu tun. Trotzdem wird sich immer mal wieder ein großer Kakao und Zeit zum bloggen genommen. Irgendwo muss die Meinung ja hin… auch wenn sie keinen interessiert.

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