Review: Terrace House – Boys & Girls in the City – Reupload

In der heutigen Zeit ist das Label Netflix Original natürlich lange kein Geheimtipp mehr. Wenn es eine Serie von dem On-Demand-Anbieter produziert wird, dann spricht das in der Regel für Qualität und viel Abwechslung. In den letzten Jahren wurde so viel produziert, dass ich langsam aber sicher den Überblick verliere. Trotzdem versuche ich immer noch auf alles irgendwann mal einen Blick zu werfen, um ja nichts zu verpassen.
Als ich mich an der Serie Terrace House versuchte, war ich erstmal sehr skeptisch. Auf Netflix eine Realityshow angeboten bekommen und das auch noch aus Japan. Das klang nicht wie etwas, das man unbedingt sehen muss. Ich weiß wie Reality TV im Westen aussieht und in den seltensten Fällen lassen sich da auch nur wenig positive Worte finden. Um so mehr wurde ich überrascht von dem, was die Asiaten mir hier geboten haben.

 

(c) Netflix

Terrace House ist eine japanische Realityshow, die 2015 von Netflix übernommen wurde. Diese produzierten die Reihe Boys & Girls in the City in Zusammenarbeit mit Fuji Television Network. Sie sollte vorerst 18 Folgen beinhalten, hat esschlussendlich aber auf 46 Episoden, verteilt auf zwei Staffeln, geschafft. Außerdem läuft aktuell bereits die Fortsetzung Terrace House: Aloha State.
Die Show dreht sich um eine Gruppe von sechs Leuten (3 Männer und 3 Frauen), die sich etwa in ihren Zwanzigern befinden. Diese ziehen zusammen in ein Haus in Tokio und leben dort über den Zeitraum der Show zusammen. Anders als bei der uns bekannten Sendung Big Brother sind die Bewohner aber nicht an ihr neues Heim gebunden. Sie gehen weiterhin ihren Berufen nach und verbringen ihren Alltag wie bisher. Dadurch das sie zusammen wohnen freunden sie sich aber auch schnell untereinander an und es kommt immer wieder zu gemeinsamen Unternehmungen, die ebenfalls von der Kamera begleitet werden.
Da die Sendung in Japan mit einer Folge pro Woche erscheint und nicht wie hier als ganze Season, haben die Bewohner natürlich auch die Chance sich die Reaktionen auf ihr Handeln anzugucken und werden in der Öffentlichkeit auch mal auf ihr Leben im Haus angesprochen. Das gibt der ganzen Sendung eine neue Dynamik und viel mehr Schwung als in der RTL 2-Show, welche ihre Teilnehmer an die eigenen vier Wände fesselte.
Inhaltlich dreht sich Terrace House sehr stark um den Alltag der Bewohner. Dabei geht es aber nicht nur um das Berufsleben, sondern besonders um die Liebe. Wahrscheinlich sind die meisten auch in das Haus gezogen um genau diese zu finden. Daher gibt es ziemlich viele Dates und weil man wirklich jeden Charakter irgendwie mag fiebert man auch mit jedem mit. Freude über Paare und Trauer wenn etwas schief geht liegen sehr dicht bei einander und man ist eigentlich die ganze Zeit aufs neue am shippen. Besonders schwer hat es in der Hinsicht leider meine liebste Bewohnerin. Deswegen war es für mich manchmal nur sehr schwer zu verfolgen. DU DARFST ABER JEDERZEIT BEI MIR EINZIEHEN, MIZUKI!

(c) Netflix

Die Unternehmungen der Gruppe sind an der Sendung das, was den besonderen Reiz ausmacht. Man bekommt dabei einen tollen Einblick in die japanische Kultur und Traditionen. Dadurch, dass sich die Bewohner vom Typ in vielen Aspekten ihres Lebens nicht sehr ähnlich sind gibt es für sie sehr viel zu entdecken und auf diese Reise werden wir mitgenommen. Egal ob Stepptanzauftritte in kleinen Jazzkneipen, Modenshow oder große Kickboxwettbewerbe. Das ist nicht nur für die Bewohner neu. Für uns ist sie halb Reality-TV, aber auf der anderen Seite auch Dokumentation über eine fremde Kultur.
Generell hat die Sendung ein sehr ruhiges Pacing und es wird sich sehr viel Zeit für die Bewohner und deren Entwicklung genommen. Der Fokus liegt dabei immer auf dem, was während der Zeit im Terrace House passiert. Der Sender kramt keine tragischen Schicksale aus und es wird nicht alles so inszeniert, dass es die Menschen im Haus bloß stellt. Die Charaktere sind alle authentisch. Genau deshalb kann man sie auch so einfach in sein Herz schließen. Es ist irgendwie erfrischend einmal ehrliche, normale Menschen in einer Realityshow zu sehen.
Um den Verlauf der Sendung etwas aufzulockern und ein wenig Energie und Dynamik in die ruhigen Wochenaufnahmen zu bekommen gibt es noch eine Gruppe Prominenter, die zwischendurch gezeigt werden und selbst das Gesehene kommentieren. Das ganze hat einen gewissen Wohnzimmer-Charme. Wie damals bei der ersten Staffel Big Brother. Da saß man auch noch mit der ganzen Familie zusammen und hat darüber diskutiert wie sich alles noch entwickeln würde und hat ein paar Witze gemacht. Das bringt einen manchmal zwar etwas aus dem Geschehen raus, versprüht aber so viel eigene Energie, dass es doch ein wichtiger Teil der Sendung ist.

Warum sollte man sich Terrace House jetzt also angucken? Das ist wirklich einfach. Endlich bekommt man mal eine Realityshow mit Niveau, die es sich nicht zur Aufgabe gemacht hat ihre Teilnehmer vorzuführen. Das ist für den westlichen Markt unglaublich erfrischend und alleine die Tatsache bringt schon unfassbar viel Spaß mit sich.
Dazu kommen die ganzen kleinen, feinen Unterschiede in der Kultur. Für uns im Westen ist es ein wenig als würde man nicht nur eine Art besseres Big Brother sehen, sondern auch ein bisschen wie eine Dokumentation über Japan und die Lebensweise in dem Land. Das bedeutet übrigens auch, dass ihr euch auf Hunger einstellen könnt. Die Leute im Haus haben Dates. Bei Dates geht man Essen. Was ihr also bekommt sind jede Menge aufnahmen aus Restaurants und über die Esskultur des Ostens. Ein weiter Nebeneffekt, der irgendwie interessant ist.
Mich hat es auf jeden Fall genug gepackt, dass ich einen Großteil in einer Nacht durchgeschaut habe, obwohl ich sehr müde war. Wir alle kennen das „Nur noch eine Folge“-Syndrom, aber wenn man auf Untertitel angewiesen ist und das trotzdem auf sich nimmt, dann will das schon einiges heißen. Auf jeden Fall hat mir die Sendung auch aufgezeigt, dass sich im japanischen Fernsehn viel Potential verbirgt und ich hoffe Netflix wird noch ein paar mehr Serien und Shows einkaufen.

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Veröffentlicht von

El Nerderino

Der Comic-Stapel ist zu groß, die Lego-Kisten laufen über und bei den vielen Serien hat Netflix auch nichts mehr mit chill zu tun. Trotzdem wird sich immer mal wieder ein großer Kakao und Zeit zum bloggen genommen. Irgendwo muss die Meinung ja hin… auch wenn sie keinen interessiert.

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