Review: Love is Love (IDW Publishing / DC Comics) – Reupload

Wahrscheinlich hat jeder von uns mitbekommen, als am 12. Juni 2016 ein Attentat auf den Nachtclub Pulse in Orlando stattfand. Ich selbst habe als erstes auf Twitter davon erfahren und war fassungslos, dass so etwas in der heutigen Zeit überhaupt noch passiert. Das ein Mensch andere umbringt, nur weil sie lieben. Nur weil diese Liebe nicht dem klassischen Familienbild entspricht, ist sie doch nicht weniger echt.
Das Pulse sollte ein sicherer Ort sein, an dem die LGBTQA+-Bewegung in Ruhe feiern und Spaß haben konnte. Doch in dieser einen Nacht starben dort 49 Menschen und 53 weitere wurden verletzt. Damit wurde das Attentat zum zweitschwersten Anschlag in den USA, nach den Ereignissen vom 11. September.

Doch aus allem Schlechten muss auch etwas Gutes entstehen, damit das Leben weiter geht. Ausgelöst durch eine Online-Status des Autors Marc Andreyko haben sich eine Vielzahl von Künstlern und Autoren gefunden, die helfen wollen. Zusammen stellten sie eine Anthologie auf die Beine, die den Menschen helfen soll zu verarbeiten und zeitgleich ihren Teil dazu beitragen denen ihren Alltag zu verbessern, die es jetzt nicht mehr so leicht haben. 

„Die Comic-Industrie kommt zusammen, um den Opfern des Orlando-Attentats die letzte Ehre zu erweisen. Durch die Zusammenarbeit der zwei großen Verlage DC Comics und IDW entsteht dieser Comic. Er enthält bewegendes und herzerwärmendes Material von ein paar der größten Talente in ihrem Beruf. Sie gedenken der Opfer und unterstützen die Überlebenden, feiern die LGBTQ Gemeinschaft und stellen die Liebe der heutigen Zeit auf den Prüfstand. Das gesamte Material wurde freundlicherweise von den Autoren, Zeichnern und Herausgebern gespendet, so dass der gesamte Gewinn an die Opfer, Überlebenden und ihre Familien gehen kann. Sei ein Teil des historischen Comic-Events! Es ist egal wen du liebst. Alles was zählt ist deine Liebe.“

– Englischer Originaltext: IDW Publishing –

(c) Dan Jurgens / Alé Garza / Gabriel Cassata / IDW Publishing / DC Comics

Als Marc Andreyko, ein offen schwuler Autor, der unter anderem Batwoman für DC Comics geschrieben hat, zum ersten mal den Wunsch äußerte die Anthologie Love is Love auf den Markt zu bringen, hätte er sich sicher niemals träumen lassen, dass es schon in der Produktion ein solches Ausmaß annehmen würde. Eigentlich hatte er am Tag nach dem Anschlag von Orlando nur auf Facebook geteilt, dass man einen Comic machen sollte. Er wollte der Comic-Gemeinschaft so einen Weg geben die Geschehnisse zu kommentieren, Stellung zu beziehen und auch zu verarbeiten. Nur nach wenigen Stunden hatte er bereits 75 Nachrichten von verschiedenen Künstlern, die bereit waren sich an dem Projekt zu beteiligen. Eine solche Menge in so kurzer Zeit ist wirklich keine Selbstverständlichkeit.

_______________________________________________________________________________________________________

„It’s 144 pages with over 250 creators. The list of creators is insane. It’s been so humbling and so inspiring to see the comics community come together – wheter you’re gay, straight, bi, black, white, trans, male, female – all sort of people reached out to me. It’s just been beautiful.“

– Marc Andreyko im Interview mit CBR 
_______________________________________________________________________________________________________

Mit dieser Absicherung schrieb der Autor als erstes DC Comics an und auf Grund der langen Wartezeit auf eine Antwort auch noch IDW Publishing. Nachdem sie erfahren haben was Andreyko auf die Beine Stellen wollte, waren beide Verlage sofort zu einer Kooperation bereit und stellten die nötigen Mittel, um das Projekt in Gang zu bringen. Auf diese Weise ist am Ende ein 144-seitiger Comic entstanden, an dem sich 311 verschiedene Autoren und Künstler beteiligt haben. Sie alle steuerten ein- bis zweiseitige Comics, Pin-Ups oder illustrierte Gedichte zur Verfügung und das alles ohne eine Gage zu erhalten. Unter den Künstlern selbst befinden sich teilweise sehr große Namen der Comic-Szene und auch darüber hinaus. So haben sich beispielsweise Gail Simon, Brian Michael Bendis, Paul Dini, Patton Oswalt oder auch J.K. Rowling an dem Projekt beteiligt.
Doch nicht nur unter den Beteiligten an den Comics lassen sich viele Bekannte wiederfinden. Auf den Seiten selbst beschäftigen sich auch viele uns bekannte Helden und andere Figuren mit dem Thema Liebe oder den Anschlägen in Orlando. Man trifft unter anderem auf Batman, der versucht einen Grund für das schreckliche Ereignis zu finden. Doch selbst dem besten Detektiv der Welt gelingt dies nicht.
Außerdem trifft man auf Figuren wie Batwoman, Harry Potter oder die Riverdale-Clique aus den Archie-Comics. Sie alle tragen ihren Teil dazu bei den Comic auch für Fans attraktiv zu machen, die sich sonst vielleicht gar nicht mit dem Thema beschäftigt hätten. Außerdem gelingt es den Autoren meist, dass diese Gastauftritte nicht peinlich wirken. Die Figuren fügen sich tatsächlich oft sogar sehr gut in die Geschehnisse ein. Trotzdem haben mich die Geschichten um reale Menschen beim lesen deutlich mehr berührt, als es die Comic-Charaktere getan haben.

(c) J.K. Rowling / Jim Lee / Mark Chiarello / IDW Publishing / DC Comics

Marc Andreyko sagt selbst über den Comic: „The book’s a hard read. I’m not going to lie. The book is a real emotional ringer, in a good way.“ und mit dieser Aussage hat er vollkommen recht. Der Comic berührt einen beim lesen auf vielen Ebenen. Mal ist er so traurig und emotional, dass man es kaum ertragen kann, nur um dann wieder so positiv über die Liebe zu sprechen, dass einem ganz warm ums Herz wird. Dabei ist es natürlich wie bei den meisten Anthologien und die Qualität kann ein wenig schwanken. Bei einer solchen Menge an kreativen Köpfen kann einem am Ende einfach gar nicht alles gefallen. Trotzdem gibt es in diesem Comic viel, das sich zu entdecken lohnt. Außerdem ist dieser Band auf so vielen Ebenen wichtig, dass man sich vielleicht gar nicht so sehr auf die Qualität einzelner Geschichten konzentrieren sollte, sondern viel mehr auf die inhaltliche Bedeutung für die Gesellschaft. Alleine dafür sollte man diesen Comic gelesen haben. Ich denke jeder kann emotional von den Seiten berührt werden und vielleicht sogar noch etwas lernen.
Inhaltlich verfolgt die Anthologie verschiedene Ansätze. Viele queere Künstler erzählen ihre persönlichen Geschichten, während sich heterosexuelle Kreative vor allen Dingen mit den Anschlägen beschäftigen. Sie alle haben verschiedene Blickwinkel und steuern eigene Gedanken bei, wie man mit den Ereignissen und der Stellung der LGBTQA+-Gemeinschaft in der Gesellschaft umgehen sollte. Eins ist dabei aber immer im Fokus: Liebe ist stärker als alles! Sie alle geben mir Hoffnung, dass die Menschen sich weiterentwickeln können und irgendwann Akzeptanz in allen Köpfen ankommt. Egal wie der Gegenüber aussieht, woran er glaubt oder wen er liebt.

_______________________________________________________________________________________________________

„I reached out to as many big names as possible to get as much attention to it as possible. Because it’s not about any of us. If you’re an artist and you have 20,000 fans, and 2,000 of your fans buy this book, that’s $20,000 that’s going to help someone.“

– Marc Andreyko im Interview mit CBR –
_______________________________________________________________________________________________________

Love is Love ist aber nicht nur wegen seinem Inhalt ein bedeutsamer Comic. Ebenso wichtig ist es, dass er sich verkauft, damit Menschen geholfen werden kann. Keiner der Künstler ist in irgendeiner Form für den eigenen Beitrag bezahlt worden. Die Einnahmen des 9,99 Dollar-Comics gehen zu 100% an Equality Florida, eine Organisation, die sich für die LGBTQA+-Community in dem Bundesstaat einsetzt. Auf diesem Weg wird direkt den Opfern und Überlebenden des Anschlags, sowie deren Angehörigen geholfen. Jedes Mal, wenn dieser Comic verkauft wird, ist das ein Teil einer Krankenhausrechnung, ein Therapiebesuch oder vielleicht auch nur die Miete eines Betroffenen, der sie selbst gerade nicht zahlen kann. Auf jeden Fall ist es ein wertvoller Beitrag für eine gute Sache.

(c) Taran Killam / Barry Crain / Giulia Brusco / IDW Publishing / DC Comics

Alles in allem kann man sagen, dass Love is Love eine emotionale Berg- und Talfahrt ist und vielleicht der wichtigste Comic, der 2016 erschienen ist. Immerhin haben auch die Vorbestellungen und Verkaufszahlen klar gemacht, dass die Comic-Community (zum Großteil) sehr weltoffen ist und ihren Teil dazu beitragen möchte, sie für alle Menschen besser zu machen.

Zum Abschluss kann man also eigentlich nur noch eins sagen:

Love is Love!

Sharing is Caring:

Veröffentlicht von

El Nerderino

Der Comic-Stapel ist zu groß, die Lego-Kisten laufen über und bei den vielen Serien hat Netflix auch nichts mehr mit chill zu tun. Trotzdem wird sich immer mal wieder ein großer Kakao und Zeit zum bloggen genommen. Irgendwo muss die Meinung ja hin… auch wenn sie keinen interessiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.