Review: Guardians of the Galaxy Vol.2

Als 2014 der erste Trailer für Guardians of the Galaxy erschienen ist, waren wir wohl alle ziemlich überrascht. Selbst wenn man ein wenig mit der Materie vertraut war, wusste man nicht so richtig, was man von dem Film erwarten soll. Die ersten Ausschnitte haben dann aber genau das spaßige und actionreiche Weltraum-Abenteuer angekündigt, das wir uns erhofft haben. Guardians of the Galaxy war die große Überraschung von Marvel, mit der niemand gerechnet hatte… und wir waren alle heiß auf eine Fortsetzung mit den Chaoten aus dem Weltall.

Mittlerweile hat man in allen Regionen der Galaxy von den Guardians gehört. Sie haben Ronan besiegt und sich damit einen Namen gemacht. Das nutzt die ungleiche Gruppe, um sich mit gefährlichen Auftragsarbeiten über Wasser zu halten. Dazu gehört auch mal schreckliche Monster zu erledigen, um wertvolle Energiequellen zu beschützen. Wichtig ist dabei nur, dass man sich nicht daneben benimmt und auf einmal der Auftraggeber Jagd auf einen macht.
Als wäre das nicht genug, steht auch noch die Verwandtschaft vor der Tür und mehr als ein Guardian muss sich mit dieser auseinandersetzen. Leider kann man sich die liebe Familie aber nicht immer aussuchen und so ist das manches Mal mit einigen Gefahren verbunden und die Gruppe sieht sich schnell einer neuen Bedrohung gegenüber.

© Marvel Studios

Noch bevor es um den Film geht, möchte ich etwas ganz anderes positiv herausstellen. Im Nachhinein waren die Trailer zu Guardians of the Galaxy Vol. 2 die Besten, die ich lange zu Superhelden-Filmen gesehen habe. Anders als andere Kandidaten, wie Batman V Superman oder Spider-Man: Homecoming, verraten die paar Minuten nämlich sehr wenig über die Handlung, sondern zeigen primär Dinge, die am Anfang passieren und auf denen dann alles aufbaut. Auch wenn die Story an sich recht vorhersehbar war, so waren die Aspekte doch nicht zu sehr von dem Werbematerial diktiert und das fand ich sehr erfrischend. Könnten sich einige Trailer-Macher mal eine Scheibe von abschneiden.
Zur Geschichte selbst muss ich sagen, dass mir einige Elemente gefallen haben und andere dafür überhaupt nicht. Der Anfang zeigt ziemlich gut was die Guardians ausmacht… eine gehörige Portion Action und Witz. Die Dynamik der Gruppe kommt gut zur Geltung und der Humor baut stark auf den Figuren auf. Das zieht sich bis eine zentrale Figur aus dem Leben von Star-Lord auftritt und alles über den Haufen wirft. An diesem Punkt trennt sich die Gruppe und baut mehrere Handlungen auf. Das ist an sich okay und für sich wären beide Aspekte sicher nicht komplett uninteressant, aber der Film verliert viel von seinem Charme dadurch, weil die fünf Figuren einfach zusammen am stärksten sind und nicht wenn man sie auseinander reißt. Außerdem wird der Plot so an vielen Stellen künstlich in die Länge gezogen und man wünscht sich, dass er doch endlich mal auf den Punkt kommt.
So anstrengend das hin und her im Plot manchmal erscheint, so erfreulich ist aber wie flüssig alle drei Handlungsstränge zusammenlaufen. Zum großen Showdown wirkt der Film wieder unfassbar rund und jeder vorherige Aspekt spielt seine Rolle im großen Finale. Das rechne ich der Story wieder hoch an und kann so über einige Patzer vorher im Film ein wenig besser hinweg sehen.

©Marvel Studios

Wie ich zuvor gesagt habe ist die große Stärke des Films aber nicht die Handlung selbst, sondern das Zusammenspiel der Charaktere. Eigentlich wie in jedem anderen Marvel-Film auch, denn die Geschichte ist ja zu meist doch sehr schemenhaft. Daher freut es mich bei Guardians of the Galaxy auch um so mehr, dass die Entwicklung der Figuren so gut geglückt ist. Schon zu Anfang gab es eine deutliche Veränderung zum ersten Teil und die fünf Charaktere sind bereits enger zusammen gewachsen als zuvor. Im Film selbst steht der Zusammenhalt der Crew und die Bedeutung von Familie noch mehr im Fokus als zuvor. Auch durch die Figuren, die in diesem Film mit eingeführt werden. Generell erinnert mich Guardians of the Galaxy Vol.2 in der Bedeutung von Familie und Blutsverwandschaft stark an einen anderen Film aus dem Hause Disney. In dem gibt es sogar auch einen flauschigen Außerirdischen, der ein Verhaltensproblem hat, genau wie Rocket. Naja, sagen wir mal so… Guardians heißt Familie.
Eigentlich wie im Vorgänger bleibt Star-Lord ein wenig blass neben seiner Crew, aber das Zusammenspiel mit Ego gefällt mir dafür sehr gut. Gegen Ende wirkt es zwar ein wenig überzeichnet und der Konflikt ein wenig künstlich erzeugt, aber die ganze Feel-Good-Stimmung während der Annäherung der beiden lässt einem das Herz ein wenig aufgehen. Genauso wie die Spannungen zwischen ihm und Gamora, die in Vol.2 noch intensiver werden. „Da ist etwas unausgesprochenes zwischen ihnen.“ und man muss selbst die Ähnlichkeit zu US-Sitcoms nicht einmal ziehen, denn das machen sie schon selbst für einen. Dadurch wirkt es zwar total überzeichnet, aber ich mag trotzdem wie die beiden miteinander (schau)spielen.
Schwieriger wird es dafür mit Drax, der vor allen Dingen mit dem neuen Charakter Mantis interagiert. Er war vorher ja schon ein wenig die Witzfigur und seine Art von Humor war… etwas besonderes, aber in Teil 2 schießt man leider etwas über das Ziel hinaus. Man merkt deutlich was im Vorgänger gut funktioniert hat und jetzt bis zum Erbrechen gemolken werden soll. So sind zwar viele Momente mit Drax sehr lustig (Vor allen Dingen wenn er sich die Naivität von Mantis zu nutzen macht), aber mehr als einmal war es auch einfach nur noch unangenehm und man wollte das es einfach vorbei ist und die nächste Szene startet.
Mantis für sich alleine genommen ist aber mein persönlicher Gewinner des Films. Es entsteht sehr viel seichte und unschuldige Comedy dadurch, dass sie fast keine Erfahrung mit anderen Lebewesen hat und deshalb noch etwas einfältig ist. Der Humor ist in seiner Unschuld erfrischend zwischen den anderen Witzen und eigentlich immer auf den Punkt. Dazu ist der Charakter auch noch zuckersüß, darf aber auch nicht unterschätzt werden. In Schlachten stellt sie definitiv ihren Wert unter Beweis.

©Marvel Studios

Auf der anderen Seite des Universums bildet sich zeitgleich ein gar nicht so ungleiches Team, das auf Grund verschiedener Umstände auf einmal das gleiche Ziel hat: Rocket und Yondu. Mit den beiden wird eine beliebte Szene aus dem ersten Teil noch einmal aufgegriffen und ebenfalls bis auf die Spitze getrieben. In meinen Augen ist das zwar einer der Höhepunkte des Films, aber zwischendurch dachte ich auch mehr als einmal: „Boah, Leute! Jetzt ist aber auch mal gut!“ und das ist eigentlich ja kein all zu gutes Zeichen. Ich kann aber so viel versprechen, dass in dieser Zeit der wohl lustigste Gag des Films präsentiert wird. So laut habe ich im Kino selten gelacht. Da ich euch aber nicht zu viel verraten will, werde ich nie wieder davon reden… ähnlich wie Rocket und Yondu. Stattdessen muss ich echt mal erwähnen wie harmonisch die beiden zusammenarbeiten und sich die coolen Sprüche mit Leichtigkeit zuspielen. Wirklich eine tolle Konstellation und eine gute Entscheidung der Autoren, dass man den beiden Figuren so viel Raum einräumt.
Das sie zu sehr im Fokus steht, davor hatte ich aber bei einer ganz anderen Figur Angst. Baby Groot ist zwar super süß, aber das reizt sich einfach irgendwann auch aus. Mir selbst ist er in den Trailern sogar schon nach einer Weile auf den Geist gegangen und auch im Film selbst verschwimmt die Grenze zwischen liebenswürdig und schrecklich sehr schnell mal. So konnte ich mir im Intro beispielsweise ein Grinsen erst nicht verkneifen, aber als die Szene immer länger wurde und trotzdem kein Ende in Sicht war, hätte ich am liebsten was in die Leinwand geworfen. An dem Punkt hatte ich echt Sorge um den Film, aber zum Glück ist es im Verlauf besser geworden und Groot wurde an den richtigen Stellen eingesetzt, aber auch mal zurück gehalten, wenn es genug war. Es war die meiste Zeit wirklich gut ausbalanciert.

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Generell kann man über den Humor in Guardians of the Galaxy Vol.2 wohl streiten. Sie versuchen einige neue Dinge und wollen sehen was funktioniert. Dabei greifen sie jedoch leider etwas zu oft daneben und viele der Gags wirken einfach unkreativ oder werden bis zum Erbrechen in die Länge gezogen. Schnell verwischt die Grenze zwischen dem stimmigen Humor von Teil 1 und einer Art Family Guy für Kinder. Außerdem weiß ich immer noch nicht was diese Szene mit den Sprüngen durchs All und den Cartoon-Gags sollte. Das war selbst für diesen Film so unangenehm unpassend, dass ich nicht wusste wie ich damit umgehen soll. Ich denke aber für alle Witze gibt es jemanden, den es abholt und am Ende muss man halt sehen was wirklich funktioniert und hoffen das zu Vol.3 eine positive Entwicklung passiert. Die Guardians können dann ihren Charme des Vorgängers hoffentlich komplett zurück gewinnen.
Wesentlich besser geglückt als viele der Witze sind dafür die Anspielungen und Hinweise auf die Zukunft, die in diesem Film gezeigt werden. Es gibt ein Wiedersehen mit einer Randfigur des ersten Teils, Ego bezeichnet sich selbst als etwas, wodurch das gesamte Universum mehr Tragweite bekommt und Stan Lee trifft in seinem Cameo einen Gesprächspartner, der mir das Herz aufgehen lässt. Jede Anspielung, die ich gefunden habe, war auf den Punkt und stimmig eingefügt. Da hat man sich auf jeden Fall auch die Wünsche der Comic-Fans zu Herzen genommen.
Außerdem gut geglückt ist die Optik des Films. Ähnlich wie der Vorgänger bekommen wir ein buntes und vielseitiges Universum präsentiert, bei dem man sich mehr als einmal in den Hintergründen verlieren kann. Die Gestaltung ist kreativ und stark an dem Universum orientiert, wie man es aus den Comics kennt. Alles in allem wirklich schön anzusehen. Trotzdem gibt es auch hier zwei Dinge, die mich ein wenig gestört haben. Immerhin sind die meisten Akteure in dem Film immer noch Kopfgeldjäger (Auch wenn sie sich Galaxyretter nenne) und Ravagers. Dafür sind die Raumschiffe einfach zu glatt poliert und selbst wenn sie auf schmutzig getrimmt sind, kommt die heruntergekommene Stimmung nicht auf, die man beispielsweise aus Firefly oder den alten Star Wars-Filmen kennt. Das hat die Glaubwürdigkeit der Settings ein wenig getrübt, ist aber Meckern auf hohem Niveau. Ähnlich wie die Szene mit einem Skelett, das einfach eklig unecht gewirkt hat. Dafür gibt es auch ganz kleine Abstriche.

©Marvel Studios

Alles in allem war Guardians of the Galaxy Vol.2 aber trotz seiner Probleme ein unterhaltsamer Film und wer sich für das MCU oder auch nur den Vorgänger begeistern kann, wird auch bei diesem Kinobesuch auf seine Kosten kommen. Die Story ist zwar ein wenig platt und zu lang, aber die Charaktere und deren Entwicklung machen das auf jeden Fall wieder gut. Außerdem kann man über die dünne Handlung ein wenig hinweg sehen, da Guardians of the Galaxy Vol.2 auf jeden Fall nicht nur für sich alleine steht, sondern im Gesamtkontext des MCU gesehen werden muss. Für dieses legt er auf jeden Fall ein paar Bahnen fest, die in Zukunft für einiges an Potential sorgen. Als Film genommen sorgt er also für eine unterhaltsame Zeit, aber als Bindeglied zwischen Ereignissen ist er nicht wegzudenken. Wenn ihr euch jetzt nicht entscheiden könnt, ob ihr euch den Film ansehen sollt, nur noch so viel: Ich werde auf jeden Fall noch ein zweites Mal ins Kino gehen und das sollte alles sagen.

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Veröffentlicht von

El Nerderino

Der Comic-Stapel ist zu groß, die Lego-Kisten laufen über und bei den vielen Serien hat Netflix auch nichts mehr mit chill zu tun. Trotzdem wird sich immer mal wieder ein großer Kakao und Zeit zum bloggen genommen. Irgendwo muss die Meinung ja hin… auch wenn sie keinen interessiert.

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